Die beste Investition, die Unternehmen tätigen können

Aktualisiert: 21. Nov 2019

Im Gespräch mit Nicole Zätzsch, Rechtsanwältin und Business Coach in Berlin


Mit Nicole spreche ich über Führungsthemen und wie sich Führungsverhalten und ihre Bedeutung aktuell für Unternehmen verändern.


Nicole Zätzsch begleitet im Einzelcoaching junge Führungskräfte, genauso wie erfahrene und gestandene Führungspersönlichkeiten. Wissen möchte ich von ihr, was die Gründe und Motive der jungen Menschen sind eine Führungsrolle zu übernehmen. Nicole sagt, dass sie bei ihren Klienten zwei Hauptmotive feststellen kann: „Bei den einen ist es der Wunsch etwas zu verändern, etwas Neues zu schaffen und einen Beitrag zu leisten. Es geht darum etwas Größeres zu bewirken. Diese Führungskräfte sind sehr zukunftsorientiert, entwickeln gerne und denken strategisch.“ Bei der anderen Gruppe nimmt Nicole eine starke Konzentration auf das Thema Mitarbeiter wahr und den Wunsch diese zu fördern und zu fordern. „Ein bisschen sehen sich diese Führungskräfte in einer Schäferrolle.“ Das Argument, welches einige ihrer Klienten anbringen, nämlich die Unabhängig- keit und dass ihnen jetzt keiner mehr in die Suppe spucken kann, hält Nicole auf Dauer nicht für tragfähig. „Diese Führungskräfte merken schnell, dass sie nun in der weitaus schwierigeren Position sind; nämlich der Sandwich-Position, in der Anforderungen von oben und von unten gestellt werden.“


Wir sprechen über das Thema Ressourcenmanagement, Nicole ist überzeugt vom Stärkenkonzept, mit dem sich ihrer Erfahrung nach immer mehr Unternehmen beschäf- tigen. „Was bedeutet es denn, wenn ich sowohl als Führungskraft, wie auch als Mitarbeiter, mir meiner eigenen Stärken bewusst bin? Meine Stärken bewusst lebe und fördere und mich ständig weiterentwickeln kann? Es wird zu anderen Ergebnissen kommen, zu einem anderen Miteinander,“ beantwortet Nicole ihre Frage selbst.

Organisationen konzentrieren sich heute tatsächlich mehr auf den Einzelnen, fangen an sie/ihn als einzigartige Persönlichkeit zu sehen und wollen immer häufiger für diesen MitarbeiterIn die optimale Position in ihrem Unternehmen finden.


Wir sprechen darüber, wie belastbar diese Einstellung und Haltung in den Unternehmen ist und wie Stärkenmanagement in volkwirtschaftlich, oder zumindest betriebswirtschaftlich schweren Zeiten gelebt wird. Nicole meint, „die Frage ist doch, ob es wirklich ein Luxus ist, sich um das eigene Potenzial und dass der Mitarbeiter zu kümmern, oder ob es in dem Moment, in dem es einem Unternehmen nicht gut geht, die beste Investition ist, die getätigt werden kann?“

Ich meine diese Frage scheint berechtigt und jedes Unternehmen handelt klug, diese Frage sowohl aus einem strategischen Blickwinkel, genauso wie aus einem normativen Werteverständnis heraus zu beantworten. Auf einen sozialen und sogar moralischen Aspekt zu verzichten, können sich Unternehmen heutzutage immer weniger leisten.

Das Thema innere Haltung beschäftigt uns weiter. Ich vertrete die Meinung, dass eine wirkliche Verhaltensänderung nur durch eine veränderte innere Haltung entstehen kann. Auch ist eine Verhaltensänderung aus meiner Sicht erst dann nachhaltig, wenn die innere Einstellung ihr vorausgeht. Hin und wieder werden wir aber aufgrund von äuße- ren Umständen zu Verhaltensänderungen gezwungen und die innere Haltung verändert sich nicht. Nur ist dann die Verhaltensänderung nachhaltig und authentisch?

Nicoles Bemerkung dazu ist; „die Frage ist ja, wie verändere ich meine Haltung? Meine Haltung verändere ich durch Erkenntnisse und Erkenntnisse bekomme ich, weil ich reflektiert bin oder Situationen bewusst beobachte, oder aber aufgrund erzwungener Umstände. Wenn aufgrund von erzwungenen Umständen Erkenntnis stattfindet, dann macht das in dem Moment der Erkenntnis etwas mit mir. Und was ist Haltung eigentlich? Haltung ist doch das Ergebnis unserer Überzeugungen, unserer Glaubenssätze. Ich glaube zwar nicht, dass man zu seinem Glück gezwungen werden, aber trotzdem überzeugt werden kann, durch persönliche Erfahrungen und Erkenntnisse.“


Wenn es um Führung und Haltung geht ist Nicole überzeugt davon, dass trotz oder gerade wegen der Digitalisierung der „menschliche“ Aspekt immer wichtiger werden wird. Führung wird zunehmend als Service verstanden werden müssen, der es Mitarbeitern ermöglicht, ihr ureigenes Potenzial zu erkennen und dies aus einem tiefen Selbst- verständnis heraus.

Und da wären wir wieder bei der Frage nach der Investition. Ich persönlich glaube, dass der Weg bereitet ist, für ein Führungsverständnis aus einer moralischen Haltung und tiefen Überzeugung heraus, die im Einklang steht mit den Interessen und Bedürfnissen der Mitarbeiter und denen des Unternehmens.


Liebe Nicole, vielen Dank für das interessante Gespräch und für neue Erkenntnisse.




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