Wie wir effizienter zusammenarbeiten

Aktualisiert: 21. Nov 2019

Im Gespräch mit Matthias Mölleney, Berater und Lehrer an der Hochschule für Wirtschaft


Matthias Mölleney hatte viel mit Flugzeugen zu tun und ist der Branche immer noch verbunden. 20 Jahre war er für die Lufthansa in unterschiedlichen Führungspositionen tätig. 1998 wechselte er als Personalvorstand zur Swissair, wo er vermutlich – ohne es anfangs zu ahnen - seinen härtesten Job antrat. 2001/2002 geriet die Swissair in die Insolvenz und Matthias Mölleney musste den „eignen Laden abwickeln“. Ein Job, der einen Personaler auf eine ganz besondere Art und Weise herausfordert und in der man viel über die Menschen und sich selbst erfahren kann.


Später ging er als Personalchef in die Medizintechnik und danach zu einem Tech- nologiekonzern. Heute unterrichtet Matthias Mölleney an der Hochschule für Wirtschaft in Zürich und ist als Berater in seiner eigenen Firma PeopleXpert tätig. Ihn treibt das Thema Kooperation und wie Menschen gut und effizient zusammenarbeiten. Dazu nutzt er Beyond Leadership von Patrick D. Cowden, zu dessen Beyond-Team er gehört. „Bei Beyond Leadership geht es darum, ob ich die Ressourcen, die ich für Führung einsetze, optimal und effizient nutze.“ erklärt uns Matthias Mölleney. Da wir ihn in Zürich in seiner Hochschule besuchen, nutzt er die Gelegenheit des Seminarraums und schreitet zum Flipchart.

Wir sind gespannt.


Bei Beyond Leadership steht das Miteinander im Mittelpunkt, die Kooperation zwischen Führungskräften, Teams und Mitarbeitern, die sonst nicht selbstverständlich zusammenarbeiten, sondern oft gegeneinander agieren und im Wettstreit miteinander sind.

Im Betrieb habe ich zwei Personen, die miteinander kooperieren sollen. Sie ha- ben verschiedene Fähigkeiten und Kompetenzen. Die Beiden haben zwei Optionen: Ich kooperiere mit dem anderen, oder ich versuche ihn zu dominieren. Wobei der andere die gleiche Option hat. Wenn Person A dominiert und Person B kooperiert, dann lande ich bei 4/1. Ich habe gewonnen und er hat verloren. Oder umgekehrt. Wenn A kooperiert und B auch, komme ich auf 3/3 und wenn beide dominieren kommt da 2/2 raus und das bedeutet Reibungsverluste.“ „Jetzt ist die Frage, unter welchen Bedingungen sich Menschen für die Variante 3/3 entscheiden?


Matthias Mölleney erklärt uns, dass dies mit Vertrauen zu tun hat. Menschen, die sich vertrauen, sich einschätzen können, können viel eher darauf verzichten den anderen zu dominieren und stattdessen mit ihm kooperieren. Die Connect- Methode*, die er dafür nutzt ist so simpel wie wirkungsvoll, das wissen Sven und ich aus eigener Erfahrung.

Was uns in diesem Zusammenhang interessiert, ist, was die Auslöser bei seinen Kunden sind, um Connect auszuprobieren. „Die Firmen sind oft an einem Punkt, wo sich Strukturen verändern und sie merken, dass sie mit ihren klassischen Ansätzen nicht mehr weiterkommen.“

Und das ist es, was wir immer wieder hören. Organisationen erkennen, dass sie mit ihren derzeitigen Strukturen und Prozessen nicht mehr wettbewerbsfähig sind und etwas verändern müssen. Schnell stößt man dann auf Begriffe wie Holacracy, Netzwerkorganisation, New Work, Design Thinking und Co. Sven und ich fragen immer (und leider verstärkt sich unser Eindruck), ob es dabei auch um einen Hype gehen könnte, eine Welle, auf der wir alle gerade reiten. Dazu meint Matthias Mölleney „Was viele Firmen noch nicht kapiert haben, ist, dass es kein richtig oder falsch gibt. Jede Firma muss überlegen, was für sie der richtige Ansatz ist.“


Wie in unseren vorherigen Interviews diskutieren wir das Thema der inneren Haltung und meinen damit, dass ein tatsächlich neues Führungsverständnis mit einer tiefen Veränderung der inneren Haltung einhergehen muss, einem anderen Menschenbild. Ansonsten treiben wir nur wieder eine weitere Sau durchs Dorf, die diesmal nicht Feedback, MBO oder autentic leadership heißt und sich selbst auf ihre Methode reduziert.

Matthias Mölleney stimmt so weit zu „derzeit sind die Führungskräfte, die aus einer inneren Haltung heraus agieren noch eine Minderheit und werden eher belächelt. Aber sie sind wie eine Art Sauerteig und werden „aufgehen“. Er betont aber auch, dass es immer eine Kausalkette gibt und man eine sinn- und zweckfreie Führung sehr, sehr selten vorfindet.


#beyondleadership, #connect #polizei #feuerwehr #menschenbild #feedback #designthinking #unternehmen #netzwerk #organisation #kooperation #ressourcen #hochschule #zürich #wirtschaft #effizienz



0 Ansichten

©2020 by irisvanbaarsen