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    Es geht darum den Menschen besser zu verstehen

    Aktualisiert: 21. Nov 2019

    Im Gespräch mit Martin Hettich, Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank Baden-Würrtemberg


    Wenn die Welt sich ändert, ändern wir uns mit ihr. Zwangsläufig, ob wir nun wollen oder nicht, ob wir es unbewusst tun oder mit Absicht. Wir verändern uns, unser Leben lang, so wie sich unser Spiegelbild verändert, unser Blick in die Welt durch Erfahrungen und Ereignisse ein anderer wird. Verändern wir uns bewusst, nennt man das Entwicklung. Und sich weiterzuentwickeln, dass kennt Martin Hettich, Vorstandsvorsitzender der Sparda Bank in Baden-Württemberg.


    Martin Hettich hat sein gesamtes Berufsleben in Banken verbracht. Als ausgebildetes Genossenschaftskind, wie er sich selbst gerne bezeichnet, ist er seit 1979 dem Bankengeschäft treu verbunden und hat vieles erlebt. Martin Hettich hat erfahren, wie Autoritäten sich verändern, denn als er Kind und Jugendlicher war, war die Autorität zu Lehrern, Eltern oder Vorgesetzen eine andere als heute. Eine bessere? Sicher sind viele dieser Meinung, nicht aber Martin Hettich. Er weiß, dass jede Zeit ihre Art und Weise der Kommunikation, des Umgangs miteinander und der eigenen Regeln hat und dass es dabei nicht um besser oder schlechter geht. „Früher hatten Mitarbeiter deutlich weniger Gestaltungsmöglichkeiten oder Mitspracherechte“ sagt er. Heute ist das anders, weil wir in einer anderen Welt leben und das nicht nur aufgrund der Digitalisierung.


    Heute gibt es neue Methoden, andere Arten Aufträge und Projekt anzugehen, und Martin Hettich geht diesen Weg mit. Gemeinsam mit seinen Kollegen und den Mitarbeitern der Sparda Bank Baden-Württemberg. Design-Thinking, neue kommunikative Besprechungsecken und gemeinsame Projekte mit Kunden sind ein Teil davon. Weg von der „Silodenke“, hin zu internen wie externen belastbaren Netzwerken, das ist sein Ziel.

    Für Martin Hettich spielen in diesem Prozess die Führungskräfte eine bedeutende Rolle. Mut, Vertrauen und ein hohes Maß an Empathie sind für ihn Schlüsselkom- petenzen. „In der Vergangenheit war es so, dass Führungskräfte oft die besten Fachleute waren. Heute geht es eher darum, den Menschen besser zu verstehen und zu verstehen, was ihn vom Wesen her motiviert. Es geht darum, wie ich ein Unternehmen in eine nachhaltige Entwicklung führe und in unserem Fall, wie eine Bank im Jahr 2030 aussehen wird“ sagt er im Interview.

    Seine Organisation hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt, Zusammenar- beiten und Denkweisen haben sich verändert. „Wir schaffen gerade den Raum, dass jeder sich einbringen und jeder sich beteiligt kann. So kann er sich auch stärker als bisher und nach seinen Fähigkeiten einbringen. Dort steckt ein großes Entwicklungspotenzial, dass die Menschen sich mehr mit dem einbringen können, was sie können und worauf sie wirklich Lust haben. Und diese Chance, das abzurufen, entsteht durch das Vernetzen der Menschen viel stärker als im heutigen Hierarchie- oder Silodenken“ davon ist Martin Hettich überzeugt.




    Lernprozesse sind nicht immer schmwerzfrei


    Diese Veränderungen haben für ihn vor allem etwas mit der persönlichen Haltung und Einstellung zu tun, dabei geht er in seiner Denke über das eigene Unternehmen hinaus. Denn eine starke Haltung – und nennen wir sie hier eine Gutmenschendenke – ist für ihn essenziell in der Bekämpfung globaler Probleme. Doch genau hier schlagen zwei Herzen in seiner Brust. Zum einen sieht er in seiner nahen Umgebung viele Beispiele, in denen Menschen dazu beitragen, dass es anderen besser geht und unsere Welt eine besser werden kann. Andererseits sieht er auch Gegentendenzen sowohl im Inland wie auch im Ausland, die stark auf Kapitalismus und Egoismus abzielen. Für ihn bleibt es abzuwarten, wohin sich die Welt verändert und welchen positiven Einfluss alle Generationen nehmen können.


    Auf jeden Fall ist dies für Martin Hettich ein Lernprozess, den er selbst durchschreitet, der für ihn spannend, aber nicht immer schmerzfrei ist. Es gab – und vermutlich gibt es sie zuweilen immer noch – Zeiten, da fühlte er sich von seinen Mitarbeitern unverstanden, verstand auch ihre Welt nicht mehr. Doch seine Offenheit und nicht zuletzt seine eigenen Kinder, haben ihm geholfen zu verstehen, dass das Lebensmuster und den Lebensschwerpunkt der jüngeren Generation sich verschoben haben. Es geht heute für die Jungen mehr darum, das Leben tatsächlich zu leben und nicht wie in seiner Generation, für die das Erfüllen von Aufgaben im Vordergrund stand. Es geht nicht darum zu bewerten, was nun besser ist, was sinnvoller, was glücklicher macht oder gar gewinnbringender ist, sondern das jede Generation ein Recht auf ihre Einstellung hat, auf ihre Zeit, auf die veränderte Welt.


    Herzlichen Dank an Martin Hettich, Vorstandsvorsitzender der Sparda Bank in Baden-Württemberg, der unser Buch mit seinem Interview unterstütz hat.















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