Ein zaghafter Weg in eine neue Politikführung

Aktualisiert: 21. Nov 2019

mit Dr. Claus-George Nolte, IT-Business Analyst


Claus habe ich online kennengelernt, durch einen Bekannten, der wie Claus-Georg Nolte sehr politikinteressiert und -engagiert ist und auch wie Claus SPD Mitglied. Ich habe nichts mit der SPD zu tun, und auch mit keiner anderen Partei. Mit Claus habe ich über Führung in der Politik gesprochen und durch ihn verstan- den, welche wichtige Rolle Netzwerke und stabile Beziehungen in der Politik spielen.


Claus promoviert an der Uni in Freiburg im Bereich Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik. Dass ihn dabei die Friedrich-Ebert- Stiftung finanziell unterstützt, verdankt er seinem langen politischen Weg in der SPD.

Claus fing bei den Falken an, einem SPD-nahem Kinder- und Jugendverein. An- schließend wechselte er zu den Jusos und schließlich zur SPD. In seiner Promotion im Bereich Wirtschaftsinformatik geht es um das Thema Social Media. „In der Politik läuft bei den unter 35 bis 40jährigen extrem viel über Social Media“ sagt Claus-Georg Nolte. Ein Vorteil für den Bürger sieht er vor allem darin, dass Politi- ker kürzer und schneller zu erreichen sind. Die meisten haben Facebook Seiten, Twitter und Co und informieren stark darüber. Für die Politiker selbst, ist die Digitalisierung jedoch oft ein zweischneidiges Schwert, wird ein unglücklich formulier- ter Satz schnell zu einer Push Meldung und nichts lässt sich mehr korrigieren.


Netzwerken, das A und O


Claus erklärt mir auch, dass Politik ein sehr langjähriges Geschäft ist, das vor allem auf einem starken Netzwerk basiert. In der Politik brauchst du Menschen, die dich kennen, dich schätzen, mit denen dich etwas verbindet und die dich am Ende, sollte das das Ziel sein, auch wählen. Ohne dieses Netzwerk, ohne entsprechende Verbindungen funktioniert nichts. „Ein gutes Netzwerk ist die Voraussetzung für ein politisches Amt“, sagt Claus „Wer unbekannt ist, mag noch so gut und fähig sein, er würde nicht gewählt werden, weil die Leute ihn nicht kennen.“ Für ihn greifen fachliche und persönliche Qualifikationen und eben politische Beziehungen und Verbindungen ineinander. „Am Ende kommt es auf das Netz- werk an, dass sich aber ohne fachliche und menschliche Kompetenz gar nicht aufbauen lässt.“


Logisch und nachvollziehbar, und dennoch hinterlässt es in mir ein Störgefühl. Ich frage Claus nach der Art und Weise, wie in der Politik geführt wird. „Eine große Herausforderung bei einer Führungsaufgabe bei den Jusos war es immer, die Leute zu motivieren und zu organisieren. Man hat ja keine finanziellen Anreize im Freiwilligenbereich, es gibt keine Rewards bei einer erfolgreichen Aktion, außer der Aktion selbst. Folglich ist es die persönliche Beziehung, die verbindet und dass man an die gleiche politische Sache glaubt.“

Schon allein weil es bei den meisten Jusos einen stetigen Wechsel durch Studium und Job gibt, ist Scheitern häufig vorprogrammiert, wird miteinkalkuliert und ist auch kein großes Ding, erläutert Claus die Führungskultur bei den Jusos. Als Führungskraft hat Claus immer versucht das Ganze ruhig zu machen und die Leute nicht mit zu großen Erwartungen kaputt zu machen.


Doch kommen wir zurück zu meinem Störgefühl und hier gibt Claus zu: „Wenn es in der Politik professioneller wird, kann eine enge Beziehung auch hinderlich werden.“ Denn da geht es dann doch um die Durchsetzung eigener Interessen, vielleicht sogar der eigenen Person und man muss sich darauf gefasst machen von politischen Freunden enttäuscht zu werden, sie aber auch gleichermaßen enttäuschen zu können. Also stimmt der Spruch „In der Politik gibt es keine Freunde?“ Claus stimmt dem nicht zu, versteht aber die Denke.

Wichtig sind für Claus Führungspersonen, die verlässlich sind und deren Handlugen er nachvollziehen kann. Damit meint er das politische Profil, die Grundsätze, die ein Mensch einmal mit sich selbst ausgemacht hat.



Neues Führen in der Politik?


Claus und ich sprechen über Hierarchie und Strukturen in der Politik und meine Wahrnehmung, dass hier noch sehr konformistisch und heroisch geführt wird. Das Thema „neues Führen“, was ich nicht nur mit der Digitalisierung verbinde, sondern mit der persönlichen Haltung Menschen gegenüber und einer vertikalen (in die Tiefe gehenden) Entwicklung zu tun hat, teilt Claus einerseits und überrascht mich andererseits.

Insbesondere was das Thema Kontrolle angeht, nehme ich eine Veränderung wahr. Früher gab es vor Wahlkämpfen viel mehr Vorgaben. Das fing bei den Plakaten und Slogans an und ging über Argumentationsleitfäden. Auch wird immer klarer, dass du über eine so vernetzte Welt die Kontrolle über dich als öffentliche Person nicht halten kannst.“ Lustige Sprüche und Grafiken zu Politikern werden schlicht hingenommen. In Bezug auf das Thema starre Hierarchien erzählt mir Claus, dass sich im Kleinen gerade viel ändert. Zum Beispiel bei den Jusos; hier gibt es einige Kreisverbände, die nicht mehr alleine mit einem Vorsitzenden, son- dern mit Doppelspitzen oder Sprechern arbeiten. Bei der SPD in Baden- Württemberg gibt es ein Führungsduo, dass sich mit Leni Breymaier (Landesvorsitzende), als Quereinsteigerin aus der Gewerkschaft und der jungen Luisa Boos als Generalsekretärin zusammensetzt und in Punkto digitale Kommunikation und Partizipation neue Zeichen setzen.

Ist dies ein erster Weg hin zu einer anderen Art der Zusammenarbeit und Kooperation innerhalb einer großen Partei? Geht auch die Politik weg von command & control? Es bleibt abzuwarten.


Herzlichen Dank an Claus, für das offene Gespräch und den Einblick in das politische Le- ben.


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